Erfahrungsbericht von Katrin, Ambikapur 2019

Von Februar bis März 2019 besuchten Guido und Ich (Katrin, Spenderin seit letztem Jahre) das "Schools In" Projekt in Ambikapur. Für mich war es der erste Besuch und für Guido lag ein Jahr Pause zwischen dem letzten und dem diesjährigen Aufenthalt in Bangladesch. 2,5 Wochen hatten wir Zeit, um zu schauen wie das Projekt läuft, was benötigt wird oder verändert werden muss. Bevor wir in Bangladesch ankamen bereisten wir Teile von Thailand und Myanmar. Länder, welche ebenso interessant, jedoch komplett unterschiedlich zu diesem Land waren.  

Unsere ersten Tage verbrachten wir in Dhaka der Hauptstadt von Bangladesch. Hier konnten wir bei Guidos Freund Karim wohnen. Wir verbrachten gemeinsam Zeit mit ihm, sowie mit Guidos Patenkind Tuli und deren Freundin Joli. Dhaka wirkte auf mich zunächst ziemlich stressig, chaotisch, verrückt aber gleichzeitig geprägt von liebenswerten Menschen und interessanten Kulturen. Der Straßenverkehr war gewöhnungsbedürftig aber meist waren die Menschen erfreut uns umher fahren zu dürfen. Wir schauten uns die Sehenswürdigkeiten an und aßen hier und da Leckereien. Nach circa vier Tagen Großstadt ging es dann mit dem Bus nach Ambikapur. Gleich am Busbahnhof in Dhaka wollte uns jeder seine Hilfe und den passenden Bus anbieten. Am Ende fuhren wir dann doch erst einen Tag später.

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Verkehrsmittel

In Ambikapur angekommen wurden wir mit einem leckeren Essen auf Dr. Jamal Anwars Gelände begrüßt und bekamen eine gute Unterkunft im Steinhaus. Im Gegensatz zu Dakha wirkte Ambikapur doch etwas ruhiger und lud mehr zum Verweilen ein. ;) Da unsere dortige Unterkunft nicht nur Schlafplatz sondern gleichzeitig auch ein Museum ist, wurde es dementsprechend fast nie langweilig. Neben vielen Besuchern aus ganz Bangladesch, welche täglich vor Ort waren, begrüßten uns auch gern die Kinder von Rashia, welche immer gut für uns kochte. Allgemein begegneten uns die BewohnerInnen des Dorfes immer gern und wirkten interessiert. Sobald wir durch den Ort gingen, wurde immer versucht ein wenig Englisch mit uns zu sprechen, es wurde ein „Picture“ mit uns gemacht oder wir bekamen zumindest ein freundliches “Sit down.“ angeboten. Dies geschah uns allerdings an jedem Ort in Bangladesch.

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Coaching Unterricht Mathematik

Am ersten Tag Vorort besuchten wir zunächst die Primary- sowie die High School, um zu sehen, ob und in welcher Qualität der Nachhilfeunterricht voran schreitet und wie es den SchülerInnen sowie den LehrerInnen dabei ergeht. In der Primary School  wurde uns berichtet, dass der Nachhilfeunterricht zunächst gestoppt wurde, da ein neues Gesetz heraus gekommen wäre, welches das Coaching verbietet, um die Qualität des regulären Unterrichtes besser managen zu können. Die High School hingegen fuhr zunächst mit dem Unterricht fort. An dieser besuchten wir dafür das Coaching der verantwortlichen LehrerInnen. Der Nachhilfeunterricht fand statt, jedoch wollten wir herausfinden in welcher Regelmäßigkeit und Qualität. Wir entschieden uns dazu Interviews mit den SchülerInnen zu führen.

 

Für die Interviews besuchten wir einige SchülerInnen zu Haus. Wir wurden wieder stets freundlich begrüßt, bekamen Tee oder Süßigkeiten angeboten. Neben den Berichten über das Coaching war es ebenso interessant einen Einblick in das Leben der SchülerInnen zu bekommen. Viele lebten in kleinen Häusern, meist aus Blech, mit nur einem Raum für die ganze Familie. Alles wirkte recht einfach gestaltet. Ein Großteil der Kinder berichtete, dass sie mit dem Coaching der meisten LehrerInnen zufrieden seien. Jedoch fand ich es erstaunlich, dass viele SchülerInnen einen zweiten, privaten Coach, zusätzlich zum Nachhilfeunterricht hatten.

    

Abgesehen von dem Coaching gab es noch die kulturellen Angebote für die SchülerInnen und BewohnerInnen der Dörfer, welche vom Projekt unterstützt werden. Zum einem der Musikunterricht. Dieser wurde im Durchschnitt von circa 10 Kindern besucht und fand 2 Mal wöchentlich statt. Hierbei lernen die Kinder Harmonium, Tabla sowie andere Instrumente spielen und diverse Lieder zu singen. Im Musikunterricht versuchte ich mich etwas zu integrieren, lernte den Beteiligten ein Lied auf Deutsch, im Gegenzug bekam ich ein Lied auf Bangla gelernt, auch das Ausprobieren meiner Gitarre bereitete den Teilnehmerinnen viel Freude. Leider war im Allgemeinen nicht genügend Zeit, um dies zu intensivieren und fortzuführen.    

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Musikschule und Tanzkurs im dafür hergerichteten Haus

Beim Tanzkurs musste ich mich beteiligen, ob ich wollte oder nicht ;). Die Kinder hatten jedoch sichtlich Spaß daran. Der Tanzlehrer wirkte motiviert und brachte den Mädchen klassische, wie auch moderne Tänze bei.

Der Schneiderkurs fand diesmal in einem benachbarten Ort von Ambikapur statt. Er wird nun so gestaltet, dass die Kursleiterin den Unterricht an verschiedenen Orten gibt, sodass so viele Frauen wie möglich, nicht nur in Ambikapur, davon profitieren können. Diesmal fand der Unterricht zu Haus bei Abdul Hassan, einem der Coachinglehrer der High School statt. Hier präsentierten uns die Frauen stolz, welche Kleiderstücke sie bereits entworfen und angefertigt haben. Auf Zeitungspapier wurde hierzu geübt, um nicht so viel Stoff verschwenden zu müssen. Der Kurs war gut besucht. Anschließend wurden wir von Familie Hassan noch auf einen Tee mit frischem Obst eingeladen und über die eigene Bananenplantage geführt.

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Schneiderkurs   

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Abschiedsveranstaltung

Außer "Schools In" besuchten wir noch ein weiteres interessantes Projekt und relativ regelmäßig die Familie von Tuli, um ein wenig Bengali zu lernen und im Gegenzug Englisch und Deutsch zu vermitteln oder machten Ausflüge in die nähere und fernere Umgebung.

Am Tag vor unserer Abfahrt durften wir noch an einem kleinem Fest teilhaben, wobei die TeilnehmerInnen des Musik- und Tanzkurses mit einer Vorführung noch einmal ihr Können unter Beweis stellten, anschließend wurde gemeinsam gegessen und gefeiert.

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle zum einen an Dr. Jamal Anwar und Rashia mit Familie, welche uns eine gute Unterkunft und leckeres Essen in Ambikapur geboten haben. Sowie an Karim, welcher uns herzlich in Dhaka aufnahm. An Tuli und Familie für deren gute Mitarbeit und Gastfreundschaft sowie an alle, die ich auf diesem Wege kennenlernen durfte und uns unterstützten/unterstützen. Natürlich auch an Guido fürs Mitnehmen zu diesem Projekt.

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Ambikapur

Bangladesch Erlebnisbericht 2016  (von Rahel)

Im Februar 2016 ging die Reise los. Ich begleitete Guido nach Bangladesch, genauer gesagt nach Ambikapur. Als Patin eines Kindes, wollte ich die Menschen, die wir unterstützen, die Lebensweise und die Arbeit im Projekt vor Ort kennenlernen.

Als wir in Dhaka, der Hauptstadt, landeten, ging es mit dem Taxi gleich weiter zum Busbahnhof. Obwohl wir im Morgengrauen losfuhren, war der Verkehr schon chaotisch und ohrenbetäubend laut.Wenn man völlig übermüdet von einem Langstreckenflug kommt, kann das ganz schön reizüberflutend wirken.

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Gabtoli Busstation

Der Busbahnhof war im Grunde genommen nur ein offener Platz mit bunt bemalten und völlig zerschrammten und verdellten Bussen. Dazwischen tummelten sich zahlreiche fliegende Händler. Mit den verschiedensten Waren, von Gurkenstücken mit Gewürzpulver bis zu bunten Büchern für Kinder war alles dabei.

Mit dem Bus ging es noch auf eine Fähre, die den Ganges Fluss überquerte und schließlich kamen wir nach 170 km und guten 3 Stunden Fahrt endlich in Faridpur an. Jetzt waren es nur noch 20 min mit dem Tuk Tuk ins Dorf Ambikapur.

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Jasim Uddin Folklore Museum

Im Dorf wurden wir von zahlreichen neugierigen Kindern begrüßt und natürlich von Dr. Jamal Anwar, unserem Gastgeber, auf dessen Grundstück sich das Jasim Uddin Museum befindet.

Nach der ermüdenden Anreise gab es erst einmal Tee und Kekse als Stärkung und wir bezogen unsere Unterkunft für die nächsten Wochen., die aus einfachen Blechhütten mit Betonboden bestanden.

In den darauf folgenden Tagen machte ich mich mit Guido als Führer, mit dem Dorf, den Menschen dort und der Schule vertraut.

Die Menschen begegneten uns mit einer unglaublichen Neugierde und Gastfreundschaft. Wir wurden zu Tee und Keksen eingeladen und jeder versuchte sich so gut es ging trotz der vorhanden Sprachbarriere mitzuteilen.

Besuch an der Grund- und Hochschule

In den Schulen trafen wir uns zunächst mit den Lehrern, die im Projektarbeiten, und hielten bei Tee und Gebäck erst mal einen small talk.

Denn eine musste ich lernen, in Bangladesch geht alles etwas gemächlicher zu. Ich war auch ziemlich überrascht, wie viele Feiertage es gibt und somit auch Schulausfall. Zumindest musste ich schon schmunzeln wenn in einem Land, dass zu ca. 90 % muslimisch ist, all schulfrei bekommen, wegen eines Hindu Feiertages.

In der nächsten Woche besuchten wir die Förderstunden und sprachen auch noch einmal einzeln mit den Lehrern, die uns ihre Vorstellungen und Wünsche mitteilten.

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Musik und Tanz Schule auf dem Jasim Uddin Gelände

Besonders gefallen hat mir die Musikschule, die unter der Leitung mit Frau Tripty stattfindet.

Ich habe selten so eine warme und strahlende Person kennengelernt. Die Kinder schienen auch mit größter Begeisterung am Unterricht teilzunehmen.

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Elternabend

Um die Eltern zu erreichen und einen Austausch untereinander mit den Lehrern anzuregen, fand auf dem Museumsgelände eine Eltern statt. Dabei zeigten die Schüler der Musikschule ihr gelerntes Können vor den stolzen Eltern. Es war ein interessanter Abend für alle.

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Besuch bei Pius de Costa

Wir besuchten auch einen Freund und ehemaligen Mitarbeiter unseres Projekte, Pius de Costa, der uns in sein Dorf Padrishibpur zu seiner Familie einlud. Dort besuchten wir seine Kirchengemeinde und die dazugehörige Grund – und Hochschule.

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Reise nach Bagerhat und Srimangal

Wir unternahmen auch einen Ausflug nach Bagerhat und besichtigten die 60 Kuppeln Moschee, Shait-Gumbad Moschee. Die im 15. Jh errichtet Moschee gehört zum Unesco Weltkulturerbe und ist von einem schönen großen Park umgeben. Wir verbrachten auch 2 Tage im völlig chaotischen Dhaka in der Altstadt, um von dort aus mit dem Zug nach Srimangal zu fahren in die hügelige Landschaft der Teeplantagen.

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Bei Sadia, Sahin Shak und Sahida Begum zuhause

Am Ende meines Aufenthaltes besuchte ich dann noch mein Patenkind und ihre Familie. Ihre Eltern betreiben einen kleinen Laden mit Teeküche. Sie haben 3 Töchter und einen Sohn, der vermutlich einen frühkindlichen Hirnschaden hat. Sie leben zu sechst in einer winzigen Einraum Wellblechhütte.

Sadia machte einen äußerst schüchternen Eindruck und schaute uns kaum in die Augen, während wir mit ihr sprachen. Sie erzählte uns allerdings, dass sie sehr gerne zur Schule geht.

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